Charakter ist ab dreißig nicht fixiert, sagen die Längsschnittdaten

tree rings cross section

Ein Satz taucht in Personalgesprächen auf, in Paarberatungen und in Kommentarspalten: So bin ich eben. Meist folgt darauf eine Altersangabe, und meist liegt sie bei dreißig. Was danach komme, sei Feinschliff, aber nichts Grundsätzliches mehr.

Die Vorstellung hat eine bekannte Quelle und eine unbekannte Datenlage. Seit einigen Jahrzehnten werden dieselben Menschen wiederholt befragt, teils über vierzig Jahre hinweg, und diese Erhebungen zeigen ein anderes Bild als die Gipsmetapher. Merkmale bewegen sich, und zwar in erkennbaren Richtungen, weit über das dreißigste Lebensjahr hinaus.

Was folgt, ist die Ordnung dieser Befunde: was sich im Durchschnitt verschiebt, wie groß die Verschiebungen ausfallen, welche Rolle Lebensereignisse spielen und was bei gezielten Veränderungsversuchen tatsächlich herauskommt. Und weil das Pendel gern ins andere Extrem schlägt: eine Einordnung dessen, was daraus nicht folgt.

  • Der Befund: Merkmale verschieben sich systematisch bis ins hohe Alter
  • Die Richtung: im Mittel mehr Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit, weniger emotionale Labilität
  • Die Größenordnung: pro Jahrzehnt klein, über vier Jahrzehnte deutlich
  • Zwei Arten von Stabilität: Rangplatz und Niveau, regelmäßig verwechselt
  • Lebensereignisse: schwächere und uneinheitlichere Effekte als erwartet
  • Gezielte Veränderung: möglich, aber nur mit konkreten Handlungsschritten
  • Grenze: Persönlichkeitsforschung beschreibt Durchschnitte, keine Einzelfälle

Der Satz, der sich hartnäckig hält

Die Behauptung ist praktisch, und darin liegt ihr Erfolg. Sie beendet Diskussionen, sie entlastet von Anforderungen, und sie erklärt gescheiterte Vorsätze ohne weiteren Aufwand. Wer sie ausspricht, muss nichts belegen, weil sie als Allgemeinwissen gilt.

Sie erscheint außerdem plausibel, weil die eigene Wahrnehmung sie stützt. Menschen erleben sich über die Zeit als dieselben, und dieses Erleben der Kontinuität ist stabil, auch wenn sich das Verhalten verändert hat. Die Erinnerung gleicht Vergangenes an das Gegenwärtige an, und dadurch wirkt der Verlauf gerader, als er war.

Interessant ist der Gegentest. Fragen Sie jemanden, ob er sich in den letzten zehn Jahren verändert hat, und die Antwort fällt meist bejahend aus. Fragen Sie dieselbe Person, ob sie sich in den nächsten zehn Jahren verändern wird, fällt sie verneinend aus. Beides gleichzeitig kann nicht stimmen.

Diese Schieflage ist gut beschrieben und betrifft nicht nur Persönlichkeit, sondern auch Vorlieben und Werte. Rückblickend erkennen Menschen erhebliche Veränderungen an sich, nach vorn erwarten sie kaum welche, und zwar in jedem Lebensalter. Wer sich mit fünfzig für fertig hält, hat sich mit dreißig ebenfalls für fertig gehalten.

Woher die Vorstellung vom festen Charakter stammt

Die bekannteste Formulierung stammt aus einem Lehrbuch der Psychologie von 1890, in dem William James den Charakter mit einer Gipsform verglich, die sich mit etwa dreißig Jahren gesetzt habe. Das Bild war eine Beobachtung seiner Zeit, keine Auswertung von Daten; Längsschnittuntersuchungen im heutigen Sinn gab es damals nicht.

Verstärkt wurde die Annahme in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts durch Arbeiten, die eine hohe Stabilität im Erwachsenenalter berichteten. Diese Arbeiten waren nicht falsch, aber sie betrafen überwiegend die eine Art von Stabilität, um die es weiter unten geht.

Hinzu kam ein methodischer Umstand. Wer über fünf Jahre misst, findet wenig Bewegung, weil die jährlichen Verschiebungen klein sind. Erst Erhebungen über zwanzig, dreißig oder vierzig Jahre machen sichtbar, dass sich diese kleinen Beträge in dieselbe Richtung addieren.

Was Längsschnittstudien überhaupt zeigen können

Eine Längsschnittstudie befragt dieselben Menschen mehrfach über Jahre. Damit lässt sich trennen, was zu einer Alterung gehört und was zu einer Generation. Ein Querschnitt vergleicht dagegen Zwanzigjährige mit Sechzigjährigen und verwechselt beides zwangsläufig.

Erhoben werden Persönlichkeitsmerkmale fast immer über Fragebögen, meist im Rahmen des Fünf-Faktoren-Modells, dessen Aufbau der Eintrag zu den Big Five beschreibt. Gemessen wird also, wie sich Menschen selbst beschreiben, und das ist nicht dasselbe wie beobachtetes Verhalten.

Zwei Fallen sind bekannt. Die erste ist der Bezugsrahmen: Wer sich mit Gleichaltrigen vergleicht, gibt in verschiedenen Lebensaltern unterschiedliche Antworten, obwohl sich nichts geändert hat. Die zweite ist der Schwund. Wer aus einer Studie ausscheidet, unterscheidet sich systematisch von denen, die bleiben, und das verschiebt die Ergebnisse in eine günstige Richtung.

Zwei Arten von Stabilität, die dauernd verwechselt werden

Die erste heißt Rangstabilität. Sie fragt, ob jemand innerhalb seiner Altersgruppe auf demselben Platz bleibt: Wer mit zwanzig zu den Geselligeren gehörte, gehört mit fünfzig meist wieder dazu. Diese Stabilität ist hoch und nimmt mit dem Alter zu.

Die zweite heißt Niveaustabilität. Sie fragt, ob sich der Durchschnitt einer ganzen Altersgruppe verschiebt. Und hier zeigt sich Bewegung: Eine ganze Kohorte kann gewissenhafter werden, ohne dass sich an der Rangfolge innerhalb der Gruppe etwas ändert.

Beides gleichzeitig ist der Normalfall und löst den scheinbaren Widerspruch auf. Wer sagt, Persönlichkeit sei stabil, meint meist die Rangfolge. Wer sagt, Menschen veränderten sich, meint das Niveau. Beide haben recht und reden aneinander vorbei.

Das Muster über die Lebensspanne

Ausgetretene Steinstufen einer alten Treppe mit deutlichen Vertiefungen in der Mitte

Die auffälligste Bewegung liegt im jungen Erwachsenenalter, zwischen etwa zwanzig und vierzig. In diesem Abschnitt steigen Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit im Mittel deutlich, die emotionale Labilität sinkt. In der Forschung wird dieses Muster als Reifung bezeichnet.

Die Richtung ist auffällig gleichförmig. Sie zeigt sich in verschiedenen Ländern, bei Männern und Frauen und über verschiedene Erhebungsformen hinweg. Menschen werden im Mittel zuverlässiger, verträglicher und emotional ausgeglichener, und zwar am stärksten in genau dem Lebensabschnitt, in dem der Charakter angeblich längst ausgehärtet ist.

Im höheren Alter kehrt sich ein Teil davon um. In den letzten Lebensjahren berichten viele Untersuchungen einen Rückgang der Gewissenhaftigkeit und einen Anstieg der emotionalen Labilität, meist in zeitlicher Nähe zu nachlassender Gesundheit. Auch das spricht gegen eine feste Form, allerdings in eine Richtung, die selten zitiert wird.

Welche Merkmale sich am stärksten bewegen

Am meisten bewegt sich die Gewissenhaftigkeit. Sie steigt über weite Teile des Erwachsenenalters und fällt erst spät wieder ab. Direkt danach kommt die emotionale Labilität, die bis ins mittlere Alter absinkt.

Bei der Extraversion lohnt die Aufteilung, weil das Gesamtmaß zwei gegenläufige Anteile enthält. Der gesellige Anteil geht über die Jahrzehnte zurück, der bestimmende Anteil nimmt im jungen Erwachsenenalter zu. Wer nur die Gesamtwerte betrachtet, sieht Stillstand, wo sich zwei Bewegungen gegenseitig aufheben.

Die Offenheit für Erfahrungen steigt in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter und geht im höheren Alter langsam zurück. Sie ist zugleich das Merkmal mit den uneinheitlichsten Befunden, was auch daran liegt, dass es unterschiedlich erhoben wird.

Die fünf Merkmale und ihr üblicher Verlauf

Merkmal Junges Erwachsenenalter Mittleres Alter Hohes Alter
Gewissenhaftigkeit deutlicher Anstieg weiterer Anstieg Rückgang
Verträglichkeit Anstieg Anstieg stabil bis leicht steigend
Emotionale Labilität Rückgang Rückgang Anstieg
Extraversion, gesellig leichter Rückgang Rückgang Rückgang
Offenheit Anstieg stabil Rückgang

Die Tabelle bildet Durchschnitte ab, keine Lebensläufe. Innerhalb jeder Altersgruppe gibt es Menschen, die sich in die entgegengesetzte Richtung bewegen, und diese Streuung ist erheblich. Ein Mittelwert beschreibt eine Gruppe, keine Person.

Wie groß die Veränderung tatsächlich ist

Pro Jahr ist die Verschiebung so klein, dass sie im Alltag nicht auffällt. Über ein Jahrzehnt wird sie messbar, über vier Jahrzehnte erreicht sie eine Größenordnung, die dem Abstand zwischen zwei recht verschiedenen Menschen entspricht.

Damit unterscheidet sich Persönlichkeitsentwicklung von den Verwandlungen, die Ratgeber in Aussicht stellen. Niemand wird in einem halben Jahr zu einem anderen Menschen. Aber jemand, der über zwanzig Jahre in dieselbe Richtung geht, ist am Ende auffällig weit gekommen, ohne dass ein einzelnes Jahr spektakulär gewesen wäre.

Für die Einordnung ist zusätzlich wichtig, dass die Streuung um diese Durchschnitte groß ist. Es gibt Menschen ohne erkennbare Bewegung und solche mit starker, und beide verschwinden im Mittelwert. Über den eigenen Verlauf sagen diese Zahlen deshalb wenig.

Was Lebensereignisse ausrichten

Die naheliegende Erwartung lautet: Große Ereignisse formen den Charakter. Die Befunde sind schwächer und uneinheitlicher, als diese Erwartung nahelegt, und die vorliegenden Übersichtsarbeiten fallen entsprechend vorsichtig aus.

Am ehesten zeigt sich etwas im Bereich Arbeit. Der Eintritt in einen Beruf mit klaren Anforderungen geht im Mittel mit steigender Gewissenhaftigkeit einher, längere Arbeitslosigkeit mit einem Rückgang. Plausibel ist die Erklärung über die Rolle: Wer täglich verlässlich sein muss, wird es eher.

Bei Partnerschaft und Elternschaft ist die Befundlage dünner. Kleine Verschiebungen werden berichtet, sie fallen je nach Studie unterschiedlich aus, und ein Teil davon dürfte auf Auswahl beruhen statt auf Wirkung: Wer heiratet, unterschied sich vorher schon von denen, die es nicht tun. Wie Menschen aus belastenden Abschnitten hervorgehen, beschreibt unser Beitrag dazu, wie sich aus Krisen Stärke schöpfen lässt.

Wie stark lässt sich Persönlichkeit verändern?

Diese Frage ist von der vorigen zu trennen. Dort ging es um Veränderung, die geschieht; hier geht es um Veränderung, die jemand beabsichtigt. Untersucht wird sie auf zwei Wegen: über Behandlungsstudien und über Studien mit Freiwilligen, die ein Merkmal gezielt verschieben wollen.

Der erste Weg liefert die klarsten Ergebnisse. Zusammenfassungen klinischer Studien zeigen, dass sich Merkmalswerte im Verlauf von Behandlungen verändern, am deutlichsten die emotionale Labilität, und dass ein Teil dieser Veränderung bei späteren Messungen erhalten bleibt. Der Zeitraum liegt dabei bei Wochen bis Monaten, nicht bei Jahrzehnten.

Der zweite Weg zeigt, dass auch außerhalb einer Behandlung etwas möglich ist, allerdings unter Bedingungen. Wer Persönlichkeit verändern will, kommt mit dem Wunsch allein nicht weit; entscheidend ist, ob das Vorhaben in wiederholte, konkrete Handlungen übersetzt wird.

Was in Interventionsstudien versucht wurde

Der übliche Aufbau sieht so aus: Teilnehmende wählen ein Merkmal, in dem sie sich verändern möchten, und erhalten über einige Wochen kleine Aufgaben, die zu diesem Merkmal passen. Wer geselliger werden will, spricht eine unbekannte Person an. Wer gewissenhafter werden will, räumt einen bestimmten Bereich zu einer festgelegten Zeit auf.

Berichtet werden kleine Verschiebungen in der gewünschten Richtung, sofern die Aufgaben tatsächlich ausgeführt wurden. Bleibt es beim Vorsatz, zeigt sich nichts. Aufgaben, die zu groß gewählt sind, werden abgebrochen und wirken dann eher in die Gegenrichtung.

Die Einschränkungen sind erheblich. Die Beobachtungszeiträume sind kurz, die Ergebnisse beruhen überwiegend auf Selbstauskünften, und wer sich für eine solche Studie meldet, ist ohnehin veränderungsbereit. Was nach Monaten oder Jahren übrig bleibt, ist bislang kaum untersucht.

Warum die Absicht allein nichts bewegt

Ein Paar Laufschuhe steht auf einer Fußmatte neben einer geschlossenen Wohnungstür

Ein Merkmal ist kein Zustand, sondern eine Verhaltensgewohnheit über viele Situationen hinweg. Es lässt sich deshalb nicht direkt ansteuern, sondern nur über die Situationen, in denen es sich zeigt. Der Vorsatz, geduldiger zu sein, benennt kein Verhalten und liefert nichts, was am Dienstag ausgeführt werden könnte.

Brauchbar sind Vorhaben, die einen Auslöser, ein Verhalten und eine Häufigkeit enthalten. Nicht offener werden, sondern einmal pro Woche eine Einladung annehmen, die sonst abgelehnt worden wäre. Nicht zuverlässiger werden, sondern Zusagen erst nach einem Blick in den Kalender geben.

Der zweite Punkt ist die Umgebung. Rollen verlangen Verhalten, und Verhalten, das über Monate verlangt wird, verändert die Gewohnheit. Wer ein Merkmal verschieben will, kommt über eine veränderte Anforderung oft weiter als über eine veränderte Absicht. In diese Richtung geht auch unser Beitrag darüber, wie sich mentale Stärke durch Herausforderungen entwickelt.

Wo die Datenlage dünn wird

Die erste dünne Stelle betrifft die Messung. Fast alles beruht auf Selbstbeschreibungen. Fremdeinschätzungen durch Angehörige liefern ähnliche Muster, sind aber seltener erhoben, und Verhaltensbeobachtungen über Jahrzehnte gibt es kaum.

Die zweite betrifft die Auswahl der Untersuchten. Viele Längsschnittstudien stammen aus wohlhabenden Ländern und aus Bevölkerungsgruppen mit hoher Beteiligungsbereitschaft. Ob dieselben Verläufe unter anderen Lebensbedingungen gelten, ist offen.

Eine weitere Stelle ist der Abstand zwischen den Messzeitpunkten. Viele Studien erheben alle vier oder fünf Jahre, und was dazwischen passiert, bleibt unsichtbar. Ein Verlauf, der in der Grafik gerade aussieht, kann in Wirklichkeit aus Sprüngen und Rückschritten bestehen, die sich rechnerisch ausgleichen.

Die dritte betrifft die Ursachen. Dass sich Werte verschieben, ist gut belegt. Warum sie sich verschieben, ist es nicht. Rollenanforderungen, körperliche Alterung, veränderte Vergleichsmaßstäbe und Auswahlprozesse kommen als Erklärungen in Frage, und die vorhandenen Daten erlauben zwischen ihnen keine saubere Entscheidung.

Was daraus praktisch folgt

Erstens taugt das Alter nicht als Begründung. Wer mit vierzig erklärt, er sei zu alt für eine Veränderung, beruft sich auf eine Metapher aus dem neunzehnten Jahrhundert, nicht auf eine Messung.

Zweitens ist die realistische Erwartung eine kleine Verschiebung über lange Zeit. Wer eine Verwandlung erwartet, hört nach acht Wochen auf und schließt daraus auf Unveränderlichkeit, obwohl er den Maßstab falsch gewählt hat.

Drittens bleibt der Rangplatz meist erhalten. Jemand, der zu den Zurückhaltenderen gehört, wird selten zu den Geselligsten zählen. Er kann aber deutlich weniger zurückhaltend werden, als er war, und für den Alltag ist genau das die relevante Größe. Wo die Grenze zwischen Entwicklung und Selbstablehnung verläuft, behandelt unser Text zum Weg zur Selbstakzeptanz.

Und eine Einordnung gehört dazu: Persönlichkeitsforschung beschreibt Ausprägungen im Normalbereich, keine Erkrankungen. Wenn Merkmale den Alltag, die Arbeit oder Beziehungen über längere Zeit erheblich beeinträchtigen, ist das eine andere Fragestellung und gehört in eine hausärztliche oder psychotherapeutische Praxis; Termine vermitteln die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen unter 116 117.

Häufige Fragen

Verändert sich Persönlichkeit auch nach sechzig noch?

Ja, und in manchen Merkmalen sogar stärker als im mittleren Alter. Die Richtung ist allerdings eine andere: Gewissenhaftigkeit geht im hohen Alter im Mittel zurück, die emotionale Labilität steigt, meist im Zusammenhang mit gesundheitlichen Einschränkungen.

Wie lange dauert eine gezielte Veränderung?

In den vorliegenden Studien werden Zeiträume von einigen Wochen bis wenigen Monaten betrachtet, und die Verschiebungen darin sind klein. Wer eine Größenordnung sucht, die im Alltag auffällt, sollte eher in Jahren rechnen und die Handlungsschritte entsprechend klein wählen.

Kann ich mich in ein völlig anderes Merkmalsprofil bringen?

Dafür gibt es keine Belege. Was die Daten hergeben, sind Verschiebungen innerhalb des eigenen Bereichs, nicht ein Wechsel an das andere Ende der Verteilung. Das ist keine schlechte Nachricht, weil die alltagsrelevanten Unterschiede meist innerhalb dieses Bereichs liegen.

Sind Persönlichkeitstests aus dem Netz dafür brauchbar?

Für eine grobe Selbsteinschätzung ja, für die Messung von Veränderung kaum. Zwei Messungen im Abstand von Wochen unterscheiden sich schon durch Tagesform und Fragebogenversion, und diese Schwankung ist größer als die Verschiebung, die man beobachten möchte.

Heißt das, jeder ist an seinem Charakter selbst schuld?

Nein, und das ist die häufigste Fehldeutung dieser Befunde. Merkmalsausprägungen entstehen aus Anlagen, Lebensbedingungen und Erfahrungen, auf die niemand vollständig Einfluss hat. Veränderbar heißt beeinflussbar unter günstigen Umständen, nicht frei wählbar.